Life

Eine Success Story ohne Erfolg

2. Juni 2017
Eine Laterne in einem Garten dahinter der Vollmond

Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.
– Samuel Beckett

Im wirklichen Leben bin ich Texter (in) aus Dortmund. Freiberuflich schreibe ich für Unternehmen aus dem B2B-Bereich Success Stories, Applikations- oder Anwenderberichte. Immer geht es darum, dass eine Komponente, ein „electrical device“ oder eine Software eine Maschine oder ihre Anwender in einer ordnungsgemäßen Funktion (meistens überragend, erfolgreich, kostensparend) unterstützt.

Ich bin also geübte Erfolgsbeschreiberin. Was aber ist mit meiner eigenen Erfolgsstory? Momentan sind berufliche Erfolgserlebnisse noch im Mikrobereich angesiedelt. Immerhin habe ich in der vergangenen Woche ein paar Anfragen erhalten und auch einige Angebote geschrieben. Realisiert wurde davon allerdings noch nichts. Andere Projekte wurden von Kunden in Warteschleifen überführt, was meine Frustrationstoleranz momentan ganz schön strapaziert.

Aber sind nicht alle Anstrengungen, Ideen und Maßnahmen aus einer vertrackten beruflichen Situation wieder herauszukommen, nicht an sich schon eine „Success Story“, auch wenn der große wirtschaftliche Erfolg noch auf sich warten lässt? Fast drei Jahre lang habe ich als Pressereferentin in einem internationalen Technologieunternehmen gearbeitet. 14 verschiedene Nationalitäten waren allein in der deutschen Niederlassung beschäftigt. Mit die größten interkulturellen Unterschiede traten erstaunlicherweise zwischen den deutschen und den amerikanischen Kollegen und Kolleginnen zu Tage. Ihre Art, Dinge zu bewerten und vor allem zu kommunizieren, unterschied sich so gravierend von uns, den tüchtigen und zielgerichteten, aber oft sehr maulfaulen Deutschen, dass ich ein um das andere Mal gestaunt habe, wie sehr man sich mit Hilfe eine bestimmte „attitude“ den Arbeitsalltag netter gestalten kann.

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Dortmunder Kommunikationsnetzwerk zu den Grundzügen angelsächsischer Konversationsformen einen kleinen Vortrag gehalten. Ich weiß, dass viele meiner deutschen Mitbürger die amerikanische Euphorie, den Smalltalk, das freundliche Interesse für einander und den uneingeschränkten Willen des „Sharings“ oberflächlich finden. Ich aber empfinde ein „You did a great job“ als ein nettes Lob und eine gleichzeitige Motivation. Nicht von ungefähr sehen US-Amerikaner ein Straucheln oder Hinfallen nicht als Scheitern. Was aber nicht akzeptiert wird, ist ein Nicht-wieder-Aufrappeln. Das obige Zitat von Samuel Beckett (ich weiß, dieser Mann war Ire und nicht Amerikaner) fasst es ganz gut zusammen.

In der vergangenen Woche habe ich ein kleines Experiment gewagt und auf meinem beruflichen Instagram-Account eine Instastory zu diesem Thema eingestellt. Muss eigentlich in der Social -Media-Welt immer alles glänzen oder kann man auch nicht so erfolgreiche Situationen „glänzend“ verkaufen? Ich habe prompt von einer virtuellen Freelancer-Bekanntschaft eine Direktnachricht zu diesem Thema erhalten, die mich ermutigt hat, auch über diese Aspekte des Freiberufler-Lebens einmal laut zu sprechen. Meine ersten zaghaften Blogbeiträge auf meinem Blog sind vielleicht bereits der Auftakt zu einer solchen Serie, von der ich mir vorstellen könnte, sie visuell und in Bewegtbildern auf Instagram zu begleiten.

Vielleicht fühlt sich der ein oder die andere Freiberufler/-in sich davon angesprochen. Dann würde ich mich sehr über einen Kommentar oder auch eine Direktmail an anke.hedfeld@different-affairs.com freuen. Go for it – you ‚ll make it.

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2 Comments

  • Reply Sabine 3. Juni 2017 at 16:09

    Ich bin kein Freiberufler, aber ich werte es als Erfolg, wenn ich mich an einem schlechten Tag nicht niedergeschlagen zurück ziehe, sondern versuche ihm mit einem guten Essen und einem guten Gespräch eine positive Wende zu geben. Du, machst wirklich einen guten Job, Anke, indem Du dein Dilemma nicht in Stille erträgst, sondern zum Thema machst.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Reply ahedfeld 3. Juni 2017 at 16:40

      Vielen, vielen Dank, Sabine. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie mich das aufbaut. LG Anke

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