50+ Life

Das gute Leben

14. Februar 2019
Ausschnitt aus einem Schrebergarten: ein gusseiserner Stab mit einer angebrachten Tonkugel darauf der Spruch "Wer einen Garten besitzt, hat alles, was er braucht."

In der vergangenen Woche habe ich einen Winterspaziergang im nahegelegenen Schrebergarten gemacht. Während der Bürozeit wohlgemerkt. Diese kleinen Ausflüge in die Gärten der Nachbarn sind meine ganz persönliche Kreativitätstechnik. Wann immer ich das Gefühl habe, an einen Gedanken einmal mehr Zeit verschwenden zu wollen, wende ich meine Schritte zum Gartenverein Sonnenblick, exorbitant zwischen dem imposanten Westfalenstadion (alias Signal-Iduna-Park) und dem Naherholungsgebiet Bolmke gelegen.

“Du solltest mal einen Blogbeitrag über Dein gutes Leben schreiben” war mein Gedanke, als ich das Büro in der stillen Hoffnung verließ, zwischen ruhenden Beeten, den ersten Schneeglöckchen, geschmackvoller und manchmal weniger geschmackvoller Gartendeko ein passendes Fotomotiv zu finden. Zack, da war es auch schon. Die tönerne Kugel brachte es auf den Punkt: Wer einen Garten hat, besitzt alles, was er braucht. Das war zwar nicht ganz das, worüber ich mich eigentlich auslassen wollte, aber ohne Zweifel gehört ein Garten zu einem guten Leben dazu. Tatsächlich bin ich mit drei Freundinnen auf der Suche nach einem gemeinsamen Schrebergarten, in dem wir Gemüse und Obst anbauen können. Sollte sich also ein Dortmunder/oder eine Dortmunderin mit einem Garten im Innenstadtbereich auf meinen Blog verirren und den Wunsch verspüren, den eigenen Garten übergeben zu wollen: Wir wären bereit.

Ich komme vom Thema ab. Was ich lange nicht wahrhaben wollte, weil mein Leben offenbar viele Wege in meinem Leben anders geplant hat, als ich mir das zwischen meinem 20. und 30. Lebensjahr ausgemalt habe: Mein Leben ist gut. Als ich dieses Blog begonnen habe, geschah das in der Annahme, mit dem Überschreiten der 50 würden sich die Dinge noch einmal gravierend ändern. Haben sie in meinem Falle auch. Seit fünf Jahren arbeite ich wieder selbstständig, seit drei Jahren lebe ich allein, seit zwei Jahren habe ich keine feste Beziehung mehr. Na und? Ich glaube, ich bin so zufrieden, wie lange nicht.

Was ich mir immer wieder vor Augen halte, und manchmal halten muss, ist die Tatsache, wie viele Optionen ich nun habe. Ich kann am Wochenende etwas unternehmen, Museen und Ausstellungen besuchen, mich mit Freunden treffen, tanzen gehen oder auch den ganzen Tag zu Hause bleiben und stricken – die einzige, die ich zufriedenstellen muss, bin ich. Und, auch dafür bin ich dankbar, ich habe wirklich alles, was ich brauche. Das sind in erster Linie Bücher und Hörbücher, mein “Zeit”-Abo, unerschöpfliche Wollvorräte, meine Wohnung, die ich sehr mag, mein Garten, meine Musik, meine Freunde und meine Familie. Das einzige, was mir wirklich, wirklich feht, ist eine Badewanne.

Und wie sieht es mit einem neuen Partner aus? Paartherapeuten proklamieren ja häufig, dass man sich selber mögen und mit sich zurechtkommen muss, wenn man eine erfüllende Partnerschaft führen möchte. Sollte mir mein “Dreamboy” eines Tages in den Garten plumpsen, wäre ich durchaus bereit, mich gastfreundlich zu zeigen und Aufnahme zu gewähren. Suchen werde ich allerdings nicht mehr – was man bei der Suche auf Dating-Portalen so alles erleben kann, dazu gibt es irgendwann mal einen eigenen Beitrag. Noch liegen zu viele ungelesene Bücher auf dem Stapel, wurden zu viele Hörbücher nicht gehört, wartet noch zu viel Wolle darauf verstrickt zu werden und wollen noch zu viele Reisen unternommen werden. So ein gutes Leben hat verdammt viele gute Seiten, nur baden kann man nicht.

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