50+ Leben

Frauen ab 50: Wie möchte ich leben?

6. Februar 2024
Eine Frau mit Brille und einem roten Schal und ein Deutsch-Drahthaar-Hund

Für drei Wochen tausche ich die Stadt mit dem deutschen Mittelgebirge

Anfang Januar habe ich einen Ausflug in den Westerwald gemacht. Genauer gesagt, bin ich für drei Wochen bei meinen Eltern eingezogen. Meine Mutter machte zu der Zeit in einer Rehabilatation, ich habe meinen Vater versorgt und drei Wochen lang vom Kannenbäckerland aus gearbeitet. Nichts, worüber es sich eigentlich lohnen würde, zu schreiben.

Stadt oder Land: Wo lebt es sich mit über 50 besser?

Wie wunderbar! Mein Herz hüpfte schon bei der bloßen Vorstellung, dass ich nun jeden Tag ein Weilchen im beruhigenden Wald verbringen könnte. Keine Ablenkung, keine Geräusche, keine kleinen Ärgernisse, die ja mit größeren Städten unweigerlich verbunden sind. Ich würde erholt nach Dortmund zurückkehren.

Im Winter wird’s auch auf dem Land um 17 Uhr dunkel

Während ich das schreibe, muss ich über mich selber schmunzeln. Hatte ich denn überhaupt nicht bedacht, dass es auch im Westerwald Anfang Januar um 17:15 Uhr so gut wie dunkel ist? In der Regel arbeite ich aber bis 18:00 Uhr. An manchen Tagen habe ich mich während meines Aufenthalts anschließend noch etwas um den Haushalt gekümmert und für den kommenden Tag gekocht. An einen entspannenden Waldspaziergang oder gar einen Lauf war dann natürlich nicht mehr zu denken.

Die Wochenenden meinten es da schon ein bisschen besser mit mir. Mein Gott, was war das für ein Hochgefühl, als ich samstags beim lokal ansässigen Friseur wagemutig einen Termin vereinbart hatte und mit glücklichem Kopf wieder heraustrat. Anschließend noch einen Besuch im Trödelladen – diese Art von Landleben entsprach schon eher meinen Vorstellungen von Einfach- und Beschaulichkeit. Dennoch: Die fehlende Abwechslung war mir rasch ein wenig zu wenig abwechslungsreich. Was macht man eigentlich auf dem Dorf nach Feierabend? Ich sag’s, wie es ist. Ich habe mit meinem Vater am Holzofen gesessen, abwechselnd die Handball-EM, den ein oder andern Krimi, Langlaufen, Biathlon und die ersten Karnevalssendungen im Fernsehen geschaut.

Ein kurzer Moment der Abwechslung

Als Highlight entpuppte sich der Tag der Weihnachtsbaumabholung, denn es hatte zum geplanten Abholungstag kräftig geschneit. Eine Landschaft im Schnee habe ich schon lange nicht mehr genossen, ich fand es wunderschön. Nur an Spazierengehen war nun gar nicht mehr zu denken. Denn in den wenigen Straßen, die das Dorf meiner Eltern durchkreuzen, gibt es tatsächlich unterschiedliche Schneeräum-Regeln. Selbstverständlich war der Zugang zum elterlichen Haus tagelang nicht passierbar, nur die Hauptstraße profitierte zum regelmäßigen Besuch der Schneepflüge.

Wir waren also quasi eingeschneit. Dennoch ließ es sich die örtlich organisierte Weihnachtsbaumabholung mit dem Ziel, die Familien vom nun lästig gewordenen Nadelzeug zu befreien, nicht nehmen und versuchte mit entsprechendem Gefährt den Hügel zum elterlichen Gefilde zu erklimmen. Das ganze Dorf war plötzlich auf den Beinen, half um beim Schieben des Fahrzeugs und beim Aufladen der Tannenbäume. Für einen kurzen Moment ein erfrischendes und heiteres Hallo, dann wieder Stille.

Hinterher erst fiel mir auf, dass ich in der Zeit des großen Schnees drei Tage hintereinander das Haus nicht verlassen hatte. Schlafen, arbeiten, essen, arbeiten, Kaffe trinken, arbeiten, Essen kochen – meine Tage waren gut strukturiert. Kurzum. Die drei Wochen auf dem Land gingen schnell vorbei, fielen aber ganz anders aus als geplant. Kann ich mir solch ein Leben – erst recht mit fortgeschrittenem Alter – vorstellen?

Wie wollen wir im Alter leben?

Ich denke, gerade im Winter muss man das Leben auf dem Land wirklich wollen und darf keine Angst davor haben, sehr viel Zeit mit sich allein zu verbringen. Die weiten Entfernungen zu öffentlichen Einrichtungen, Geschäften und erst recht ärztlichen Praxen sind ebenfalls nicht unbedingt ein Vorteil. Was ich aber bei meinen Eltern auf dem Land beobachte, ist eine wesentlich höhere soziale Interaktion und auch Verantwortung füreinander. Auf die Nachbarn kann man sich immer verlassen.

Auch wenn mir die Stadt mit den oben beschriebenen Begleiterscheinungen häufig auf den Wecker fällt: Ich genieße die räumliche Nähe zu Supermärkten, anderen Geschäften, Restaurants, Kneipen, meinen Freunden, dem Opernhaus, dem Konzerthaus, der Bücherei, den Kinos und, und, und. Glücklicherweise ist Dortmund außerdem eine sehr grüne Stadt.: „49 Prozent grün“, so lautete ein Slogan der 1960er Jahre und wies damit auf den höhen Grünanteil hin. Von Parks und Grünanlagen bin ich also umgeben. Für einen ausgedehnten Waldspaziergang allerding muss ich mich immer erst einmal ins Auto setzen. Das Landleben – momentan kann ich es mir für’s Alter noch nicht vorstellen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja einmal und ich blicke dem Tag der Weihnachtsbaumabholung dann sehnsüchtig entgegen.

You Might Also Like

5 Comments

  • Reply Annette 7. Februar 2024 at 10:01

    Hallo Anke, danke für deinen Gedanken anregenden Beitrag. Die anhaltende Wohnraumverdichtung in der Stadt lässt dass Leben auf dem Land immer attraktiver erscheinen. Ein großes Thema mit vielen Vor- und Nachteilen und immer mit der Frage, in welche Richtung wir uns selbst verändern/entwickeln… Mal sehen, wo es uns hintreibt, liebe Grüße, Annette

  • Reply Bettina 9. Februar 2024 at 7:47

    Hallo Anke, ich bin 55 und lebe auf dem Land. Auf dem flachen Land. Keine Berge. Die Winter sind grau. Seit mein großer Sohn nach Zürich gezogen ist wird mir richtig bewusst wie attraktiv man leben kann. Nach jedem Besuch falle ich in ein kleines Landloch.
    Ich vermisse Museen, nette Cafés, Restaurants ..
    Wir haben ein tolles Haus, daß wir in uns in einer Stadt so nie hätten leisten können. Hier sind unsere Familien.
    Die Winter sind einfach schrecklich. Ich mag mir nicht vorstellen wie es ist nicht mehr mobil zu sein.
    Mit diesem Post hast du gerade meinen Nerv getroffen, es ist Februar und ich hadere gerade wieder sehr mit dem Leben hier.
    Liebe Grüße

    • Reply ahedfeld 17. Februar 2024 at 9:04

      Hallo Bettina, das sind aber keine schönen Erfahrungen, die Du beschreibst. Meine Landperiode war ja begrenzt, deswegen konnte ich hinterher auch ein wenig darüber schmunzeln. Wenn Dich die Winter aber so belasten: Gibt es für Dich keine Alternative, zummdest für den Winter vielleicht? LG Anke

  • Reply Gudrun 12. Februar 2024 at 13:19

    Liebe Anke, eigentlich liebe ich das Land. Eigentlich. Ich war ein Stadtkind bevor ich der Liebe wegen aufs Land gezogen bin. Ich habe immer gearbeitet und dann war das Landleben ok. Nun bin ich in Rente und jetzt wird mir erst einmal bewusst, dass ich für alles, Kino, Cafe, bummeln usw immer das Auto aus der Garage holen muss. Im Winter bei dem Wetter und der frühen Dunkelheit fehlt mir manchmal die Lust. Aber bald kommt das Frühjahr und dann freut sich meine Seele und ich bin wieder mehr unterwegs. Wie das mal weitergeht? Mal schauen.
    Liebe Grüße
    Gudrun

    • Reply ahedfeld 17. Februar 2024 at 9:01

      Hallo Gudrun, vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema „Landleben“. So ähnlich geht es mir auch: Im Sommer finde ich es auf dem Land einfach herrlich. Der Winter hat mir aber gezeigt, dass es auch eine – dunklere – Seite des Ganzen gibt.

      LG Anke

    Leave a Reply