50+ Life

51 ist wie 15 – nur andersrum

12. Juni 2016
Verschiedene Selfies von Dr. Anke Hedfeld zu einer Collage zusammengefügt. Darüber steht die Zahl 51 mit einem Strick darunter

Buchrücken von "Auf ins fette pralle Leben", Autorin Ina RudolphSonntagmorgen, ich sitze in meinem Apartment, höre “Adele” und denke ganz plötzlich: Mensch, es ist doch alles super gut, so wie es ist. Sieh, wie weit Du gekommen bist. Tatsächlich konnte ich mich zu diesem Gedanken in den vergangenen fünf Monaten nur schwer durchringen. Ein unbestimmtes Unwohlsein hat die erste Phase des Neuanfangs begleitet. Obwohl ich mich aus einer für mich unbefriedigenden Beziehung gelöst hatte und trotz aller Bedenken es noch einmal mit “mir selbst” versuchen wollte, erschien mir mein Plan in der Realität plötzlich fade und gar nicht so abenteuerlich, wie ich ihn mir gern gewünscht habe.

In der vergangenen Wochen hatte ich Geburtstag. Mit der 1 hinter der 5 darf ich mich wohl endgültig zur Ü50-Generation dazurechnen. Hat sich dadurch etwas geändert? Vielleicht. Denn der Geburtstag an sich hat mir anscheinend die Augen dafür geöffnet, wie sehr sich mein Leben zum Guten verändert hat, und das mein ständiges Genöle nichts anderes ist als Undankbarkeit. Yep.

Seitdem ich umgezogen bin, beschleichen mich – wenn ich ganz ehrlich bin – sehr leise, aber dennoch wahrnehmbare Ängste. Werde ich das alles packen? Die meisten Gedanken kreisen um meine wirtschaftliche Existenz. Als Freiberuflerin kann ich nicht mit einem festen monatlichen Budget kalkulieren. Allerdings sind meine Ausgaben bedingt durch die nun wieder fällige Miete und die Nebenkosten sehr deutlich gestiegen. Wenn ich meinen Kontostand betrachte, sind diese Sorgen allerdings unbegründet. Bis jetzt hat mich nichts wirklich aus der Bahn geworfen. Klar, es spricht nichts dagegen, mehr Geld zu verdienen. Aber ist doch schön, wenn es beruflich noch Luft nach oben gibt. Alles andere wäre mir zu langweilig. Es bahnen sich übrigens neue Projekte an, noch nichts Konkretes zwar, aber “I can feel the exciting vibe already”. Beruflich bis hierher also: 3+.

Viel angenehmer als noch vor einem Jahr empfinde ich meine private Situation. Hach, tiefer Seufzer. Ich bin so, so dankbar für die Menschen, die mich zur Zeit umgeben, Spaß mit mir haben, sich mit mir austauschen und hin und wieder meine Launen ertragen. Was noch schöner ist: Es sind noch viele neue, seelenverwandte dazugekommen. Hammer! Ich bin ein bisschen überwältigt. Ich habe bereits in vorhergehenden Krisen erlebt, dass sich plötzlich Menschen an meiner Seite befinden, die mir bis zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger unbekannt waren, zu denen ich aber plötzlich einen intensiven Draht entwickelte. Dass das auch in dem zurückliegenden Jahr wieder eingetreten ist, dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön (wem auch immer ich das zu verdanken habe).

Ach ja, dann war da noch die Sache mit dem Alleineleben, der ich anfangs so wenig Positives abgewinnen konnte. Warum nur? Ich liebe meine Wohnung, die sich nun glücklicherweise wieder 100%ig nach mir anfühlt. Wenn ich nach Hause komme, habe ich nicht mehr das Gefühl, jemandem genügen zu müssen. Ich bin alleine, niemand mehr, der mich dauernd kritisiert, weil ich nicht seinen Vorstellungen entspreche. Das hat so etwas Entspannendes. Ich kann so viel und so laut Musik hören, wie ich will. Ich kann nachts um 0:00 Uhr kalte Pizza essen oder rauchen. Ich kann auf Netflix so viele Staffeln einer Serie sehen, wie ich mag. Ich kann nächtelang lesen oder telefonieren. Es ist perfekt!

Ich koche regelmäßig, ernähre mich (weitestgehend) gesund, schlafe zu wenig (!), mache Yoga, regelmäßig Sport und habe mir-nichts-Dir-nichts fünf Kilogramm abgenommen. Ich habe einen wunderschönen Garten, in dem ich in der vergangenen Woche gleich zwei Mal eine kleine Party veranstaltet habe. Ich gehe ins Kino, in Konzerte und in die Oper. Und seit heute kümmere ich mich auch wieder um mein Blog. Anfang des Jahres bin ich mit meinem Bruder für zwei Tage nach London zu einem Who-Konzert gereist, im April war ich alleine an der Nordsee. Ich trage wieder Kleider, Röcke und hohe Schuhe. Ich kann es nicht anders sagen: Ich genieße mein Leben, auch wenn ich das so lange nicht bemerkt habe. Ich musste nicht wegen eines Krieges oder aus wirtschaftlichen Gründen unter waghalsigen Umständen mein Land verlassen, ich habe keine Naturkatastrophe erlebt. Es geht mir gut.

Ja, ich habe mich dagegen gesträubt, nun endlich die Person zu werden, die ich anscheinend schon längere Zeit sein wollte. Kein leichter Prozess, wie man vielleicht glauben möchte. Vielmehr einer, der innerlich starkes Rumoren verursacht. Es lohnt sich, da einmal genau hinzuhören. Lustigerweise hat sich auch die Frage nach meiner zukünftigen Beziehung (oder eben nicht) zu Männern inzwischen geklärt. Denn zu dem Parforceritt zu mir selbst gehört auch, dass ich mich Hals über Kopf in einen offensichtlich unerreichbaren Mann verliebt habe. Es hat mich getroffen wie ein Blitzschlag. Zum letzten Mal habe ich so etwas mit 15 erlebt. Und auch der Kummer, der darauf folgte, hat sich nicht minder dramatisch und kräftezehrend angefühlt wie in der Teenagerzeit. Trotzdem bin ich dankbar für diese Erfahrung. Erstens, weil ich nun wieder denke: Es gibt sie noch, die guten Männer. Und zweitens, weil ich nun endlich wieder weiß, was ich will.

Ich danke dir. Du hast mich an mich erinnert
Ich und ich war’n einander schon so fremd
Ich komm zu mir. Du hast mich an mich erinnert
Ohne dich hätt die Welt mich überschwemmt

Dieses Zitat aus dem Lied “Erinnert” von Silly könnte es nicht besser beschreiben. Für mich heißt das: Bitte keine Beziehung im konventionellen Sinne mehr. Nicht zusammenziehen, keine komplett zusammen verbrachten Wochenenden, keine gemeinsamen Urlaube, sondern nur nette Begegnungen, bei denen der Eine spannend für den Anderen bleibt. Keine Behaglichkeit oder Tristesse. Kein Generve, keine Abhängigkeiten, keine unnötigen Fragen, kein Misstrauen. Habe ich das mit 15 auch schon gedacht? Definitiv nicht. Daher bin ich umso dankbarer, dass nun endlich mit 51 auch in diesem Punkt der Groschen fällt.

In diesem Sinne stürze ich mich weiter in mein “fettes, pralles Leben”. Wer weiß, was es noch bereithält.

 

 

 

 

 

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2 Comments

  • Reply shadownlight 14. Juni 2016 at 20:46

    hey, ich bin über fb, bloggen keine lebensaufgabe… bei dir gelandet und fand die überschrift super spannend und habe auch schon ganz interessiert gelesen. ein neuanfang: der macht vielen menschen erst einmal angst, aber wie du siehst, bringt dieser auch so vieles gutes mit sich. geniess die zeit, tragen weiterhin röcke und kleider und telefoniere bis in die nacht. das finde ich absolut spitze :).
    liebe grüße lasse ich da!

  • Reply ahedfeld 20. Juni 2016 at 19:21

    Vielen Dank, damit werde ich bestimmt weitermachen! LG Anke

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